Das kleinteilige Großprojekt

Meldung vom 17.06.2020

Das kleinteilige Großprojekt
Rund um den Ölschnitzsee tut sich was. Auf dem gesamten Gelände herrscht derzeit wegen der Baumaßnahmen ein Nutzungsverbot. Wir geben einen Überblick, was dort alles passiert.


Derzeit ist die KC 18 zwischen Windheim und Rennsteig gesperrt und nur beschränkt befahrbar. Der Grund sind der Bau von Wasser- und Abwasserleitungen. (Foto: Veronika Schadeck)

VON VERONIKA SCHADECK

Windheim — Entlang der Kreisstraße 18, zwischen Windheim und Rennsteig, wird derzeit gebaut. Dazu zählt auch das Areal rund um den Ölschnitzsee, der oftmals auch Freizeitsee genannt wird. Dort, wo sich sonst um diese Jahreszeit Hunderte von Erholungssuchenden aufhalten, ist Leere. Lediglich am Eingangsbereich sind ab und zu Angelliebhaber und Spaziergänger zu entdecken.
Ein paar Meter weiter ist ein Schild zu sehen, auf dem auf das Nutzungsverbot des Ölschnitzsees sowie des gesamten Geländes wegen der Baumaßnahmen hingewiesen wird. Andre Licht und Marco Jakob befinden sich am Seeufer. „Hier tut sich was, aber was genau passiert, wissen wir nicht“, so die beiden jungen Männer.


Sie sind gerne am Freizeitsee: Andre Licht und Marco Jakob (rechts). Im Hintergrund, die linke Uferseite, auf der die Sanitäreinrichtungen gebaut werden sollen. (Foto: Veronika Schadeck)

Rund 1,1 Millionen Euro investiert in diesem Jahr der Landkreis am Seegelände. Insgesamt sind Kosten in Höhe von etwa drei Millionen Euro für die Attraktivierung des Ölschnitzsees im Haushalt eingeplant, so der Kreiskämmerer Peter Biedermann auf Anfrage. Davon gebe es Förderungen von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen (RÖFE) in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro. Beim Freizeitsee geht es vor allem um eine Verschönerung der Ufergelände durch Neugestaltung von Spiel- und Erlebnisbereichen.
Weiterhin wird ein Gebäude mit öffentlich nutzbaren Sanitäreinrichtungen und Umkleideräumen erstellt. Integriert werden soll, so Biedermann, auch ein Büro für die DLRG. Weiterhin soll der Weg vom Parkplatz bis zur Seehütte und Sanitärräume beleuchtet werden.
Wie der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler (CSU) auf Anfrage erläuterte, befinde sich der Ölschnitzsee von Windheim aus kommend zum Rennsteig auf seiner linken Seite auf Windheimer Gebiet und rechts auf der Ludwigsstädter Flur. Die Baumaßnahmen betreffen weitestgehend das Westufer und demzufolge das Steinbacher Gemeindegebiet. Das Areal – einschließlich Wasser und Ludwigsstädter Flur – umfasst 3,3 Hektar.

Parksituation wird entschärft
Im Zuge der Baumaßnahme, so erzählt er, wird auch die Parkplatzsituation am Ölschnitzsee entschärft. Rund 100 neue PkwStellplätze, verteilt auf zwei Parkplätze werden entstehen. Zudem werden elf Wohnmobilplätze geschaffen. Mittlerweile wurde auch der Zugang auf der linken Seite des Ölschnitzsees teilweise abgetragen, so dass nun ein barrierefreier Weg entstehen kann.
Zudem soll, so der Bürgermeister, im Zuge der Realisierung des Radwegekonzepts auch der Radweg an der KC 18, der bisher am See endet, bis zum Rennsteig verlängert werden. „Das ist ein sinnvoller Lückenschluss und trägt zur Verkehrssicherheit bei.“ Bei der Attraktivierung des Freizeitsees und rundherum ist nicht nur der Landkreis, sondern auch der Wasserzweckverband Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) mit im Boot. Nicht zuletzt aus Kostengründen werden im Zuge der Baumaßnahme auch neue Leitungen mit angebracht. Wie der Vorsitzende der FWO, Heinz Köhler erläuterte, verlegt die FWO eine WasserFernleitung vom Rennsteig aus kommend nach Windheim.
Im Zuge dessen werden im Auftrag des Landkreises durch die FWO neue Abwasserleitungen mit eingebaut. Das bedeute, dass somit auch der Kanalanschluss des Seeareals, genauer für die Seehütte und die Sanitäranlagen, erfolgte. In Planung ist derzeit des Weiteren ein Wasserhochbehälter am Ortseingang von Kehlbach (von Windheim aus kommend). Im optimalen Fall, so Köhler, könne er sich einen Baubeginn für den Hochbehälter im Herbst 2020 vorstellen. Die alte Fernleitung des Wasserzweckverbands Frankenwaldgruppe (FWG), so Köhler, wird nach Vollendung der Baumaßnahmen stillgelegt. In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass die Wasserversorgung dieser Gemeinden eigentlich im Zuständigkeitsbereich der FWG liegen würde. Infolge der Kooperationsvereinbarung zwischen der FWO und FWG waren aber der Bau der Fernleitung im nördlichen Frankenwald und des Hochbehälters ein Bestandteil des Vertrags. Köhler spricht von Investitionen in Höhe von rund fünf Millionen Euro.


Ein Schild am Freizeitsee an der KC 18 weist darauf hin, dass derzeit kein Badebetrieb möglich ist. (Foto: Veronika Schadeck)

Auch Hans Schirmer, der am Freizeitsee einen Kiosk mit Tretbootverleih und eine Minigolfanlage betreibt, hält an sein Vorhaben fest. Demnach will er die bisherige Hütte abreißen und durch eine größere Holzhütte mit Kamin ersetzen. „Für mich ist wichtig, dass ich die Fahrgäste eines Busses unterbringen kann.“ Nach der Vollendung der Baumaßnahme will er seine neue Einkehrhütte nicht nur in der warmen Jahreszeit, sondern auch in den Wintermonaten für die Allgemeinheit öffnen.

Höhlenhotel entsteht schrittweise
Zudem steht mittelfristig noch sein Vorhaben mit einem Höhlenhotel. Dieses Projekt wird allerdings sukzessive entstehen. Ob er in diesem Jahr noch seine Einkehrhütte öffnen könne, hänge vom Fortschritt der Baumaßnahme ab, erklärt er. Und was die Wiederaufnahme des Badebetriebs im See betrifft? „Ich kann zum aktuellen Zeitpunkt keinen Termin nennen, weil ich es nicht weiß“, sagt Kreiskämmerer Peter Biedermann.

aus "Fränkischer Tag" vom 16.06.2020

Kategorien: Aktuelles