Holzkugelbahn
Touristen-Attraktion am Rennsteig
In Steinbach am Wald rollt ab jetzt die Kugel
Jan Fischer, Neue Presse Kronach 24.06.2026
Eine Kugelbahn aus Holz bereichert nun die Gemeinde im Kreis Kronach. Die Hauptarbeit dafür haben junge Leute übernommen, die in ihrer Ausbildung immer wieder kräftig anpacken müssen.
Thomas Löffler kennt die Preise, die oft für an sich einfache Projekte aufgerufen werden: Eine Holzkugelbahn, wie sie am Tourismus- und Freizeitzentrum entstanden ist, würde für Leistungen von der Planung über die Erstellung bis zum Aufbau locker 20.000 Euro kosten, schätzt der Bürgermeister. Die Gemeinde Steinbach hat die neue Touristen-Attraktion aber nahezu für lau bekommen. Dahinter stehen starke Partner, wie Löffler lobt, und junge Leute, die in ihrer Ausbildung immer wieder kräftig anpacken müssen.
Neun Azubis aus dem ersten und zweiten Lehrjahr bei den bayerischen Staatsforsten haben die Hauptarbeit übernommen. Angeleitet von Matthias Lindig, Ausbilder beim Forstbetrieb Rothenkirchen, bauten sie die rund 70 Meter lange Bahn aus heimischem Lärchen- und Douglasienholz zusammen. Eine Vorgabe: Sie sollten weitere Materialien aus der Region berücksichtigen, also einzelne Tische mit Glas und Schiefer ausstatten. Auch das Thema Waldsterben sollte sich auf der Bahn widerspiegeln.
Nach der Herstellung in der Werkstatt trafen die Auszubildenden vor Ort auf Schwierigkeiten: Es galt, erst einmal ein Gefälle auf dem vorgesehenen Gelände herzustellen. So setzt sich die Bahn nun aus drei Stücken zusammen, auf denen die Holzkugel ständig in Bewegung bleibt.
Ergänzung für den Erholungspark
Der Platz dafür wurde mit Bedacht gewählt. Er liegt auf dem Rundweg am Tourismus- und Freizeitzentrum und ergänzt den dortigen Erholungspark. Spielplatz, Bikeparcours und Streuobstwiese gibt es dort schon – und nun auch eine Kugelbahn. Die führt geradewegs zum Kunstpark. Eine Attraktion soll zur nächsten leiten, Aufenthaltsqualität schaffen; so sieht es das Konzept vor.
Kein Wunder, dass der Bürgermeister bei der offiziellen Eröffnung strahlte und ein großes Dankeschön an die Staatsforsten mit ihren fleißigen Azubis richtete. Die Gemeinde habe lediglich das Material und die eine oder andere Brotzeit bezahlen müssen; für das Holz erhalte sie jedoch eine Spende der Sparkassenstiftung Ludwigsstadt.
Vorbilder in Saalfeld und Steinwiesen
Löffler hatte eine Holzkugelbahn im Feenwäldchen bei Saalfeld entdeckt. Daraufhin führte er erste Gespräche mit dem Betriebsleiter Peter Hagemann. 2025, kurz vor dessen Ruhestand, konnten die Arbeiten bei Kälte und Nässe beginnen. Insgesamt drei ganze Arbeitstage bauten die Azubis an den einzelnen Elementen. Als Prototyp dafür galt jedoch die Kugelbahn in Steinwiesen, wie Ausbilder Lindig verrät.
Auch die hölzernen Riesenmurmeln selbst sollen Interessierte auf den Tourismus in Steinbach am Wald aufmerksam machen. Sie sind ausschließlich in einem Automaten im Foyer – zum Preis von zwei Euro – erhältlich. Dieser steht strategisch günstig gleich neben dem Infopunkt, an dem Ramona Müller die Besucherinnen und Besucher zu Wanderungen und Sehenswürdigkeiten berät.
Kugeln sind begehrte Souvenirs
Die Tourismus-Beauftragte freut sich, dass die Kugeln mit fünf Zentimeter Durchmesser so gut angenommen werden, obwohl die Werbung über die Gemeindegrenzen hinaus erst jetzt so richtig anläuft. Fürs Erste habe man 200 Kugeln bestellt – 133 seien bereits weg. Höchste Zeit, eine zweite Charge zu ordern. Dass die Kugeln schon als Souvenir gehandelt werden, habe sich zuletzt beim Frankenwald-Wandermarathon gezeigt.
Die Gestaltung der Kugeln lag ebenfalls in den Händen einer Einheimischen. Denise Pfalz vom Start-up „Herzstück by Denise“ aus Windheim laserte das Wappen der Gemeinde Steinbach am Wald ins runde Holz.
Klar, dass die gute Arbeit der Staatsforsten-Azubis nicht unbemerkt bleibt. Fabian Mainardy, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs, berichtet von mehreren Anfragen von Kommunen, die allesamt mit kreativen Ideen aufwarteten. „Unsere Azubis sind begehrt.“ Doch müsse man immer darauf achten, dass man dafür Platz im Ausbildungsplan finde. Schließlich sei die Holzbearbeitung für angehende Forstwirte nur eine Nebenaufgabe. Was Mainardy wichtig ist: „Sie sollen etwas Nützliches schaffen.“
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