Wohin mit dem Klärschlamm?

Meldung vom 09.08.2019

Wohin mit dem Klärschlamm?

UMWELT Wegen verschärfter Bestimmungen wird die Entsorgung der Klärreste in der Landwirtschaft künftig schwieriger. Die Gemeinde Steinbach am Wald prüft derzeit die Möglichkeiten. An eine zentrale Aufbereitung in der Aumühle werde jedoch nicht gedacht, betont der Bürgermeister.


In der Kläranlage Hirschfeld werden derzeit die Abwasser aus den Gemeinden Hirschfeld, Windheim und Kehlbach gereinigt. Foto: Veronika Schadeck

Veronika Schadeck

Steinbach/Wald — In der letzten Gemeinderatssitzung äußerte Markus Löffler als Anwohner der Kläranlage Aumühle in Hirschfeld starke Bedenken gegen Planungen hinsichtlich einer zentralen Klärschlammaufbereitung der Großgemeinde in der Aumühle. Er appellierte an den Bürgermeister, diese Planungen nicht weiter voranzubringen.
Aufgrund der damit verbundenen Klarschlammaufbereitung für alle Gemeindeteile und des Transports befürchtet der Gemeinderat Geruchs- und Lärmbelästigungen und das nicht nur für die Anwohner der Zufahrtsstraße. Außerdem seien solche Pläne nicht mit einem Biotop „Ölschnitztal“ und dem Gewässerschutz konform. Zudem habe die Zufahrtsstraße „Zur Aumühle“ inner- und außerorts eine geringe Fahrbahnbreite. Diese Straße sei kurvenreich und weise großes Gefälle auf. Die Straße sei für einen derartigen Lkw-Verkehr nicht ausgelegt, brachte er seine Anliegen zum Ausdruck.
Für die Redaktion stellte sich nun die Frage, was hat es auf sich mit diesen Befürchtungen?
Wie Bürgermeister Thomas Löffler auf Anfrage erklärte, erhalte die Gemeinde bei Maßnahmen in der Abwasserversorgung Förderungen nach den Richtlinien des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas). Hinzu komme, dass ab 2020 wegen des Gewässerschutzes die neue Düngeverordnung nochmals verschärft werden soll. Und das wird auch für die Klärschlammentsorgung Folgen haben.
Bisher, so erklärt der Bürgermeister, wurde ein Großteil des Klärschlamms durch Fremdfirmen aus den Kläranlagen in Hirschfeld, Buchbach und Steinbach auf den Feldern verteilt. „Das wird künftig in der Menge nicht mehr möglich sein“.

Kläranlagen kommen in die Jahre
Hinzu komme, dass vor allem die beiden Kläranlagen in Hirschfeld und Steinbach in die Jahre gekommen seien. Man denkt nun daran, die Kläranlagen wirtschaftlich, zukunftssicher und nachhaltig zu machen und zudem die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Klärschlamm auch thermisch verwertet werden kann. In den drei Kläranlagen der Gemeinde fallen jährlich insgesamt rund 1600 Kubikmeter an Rohschlamm an.
Bürgermeister Löffler spricht von einem externen Büro, dass nun verschiedene Varianten prüfen soll. Wie Matthias Kraft vom beauftragten Büro „Baurconsult“ auf Anfrage erklärte, gehe es darum, unter Berücksichtigung der Kosten Alternativen aufzuzeigen, wie der Klärschlamm künftig entsorgt werden soll. Denn: „Nicht nur in Steinbach wird es in den nächsten Jahren Klärschlammentsorgungsprobleme geben!“
Er sprach davon, dass die Kläranlagen und Zufahrtsmöglichkeiten besichtigt worden seien. Geprüft werde derzeit unter anderem, ob der Einsatz einer mobilen oder mehrerer stationärer Schlammpressen sinnvoller und wirtschaftlicher sei. Durch den Einsatz solcher Pressen würden Entsorgungsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Das gepresste Material, welches dann ein deutlich geringeres Volumen hat, könnte einer Verbrennungsanlage zugeführt werden.

Eine Energiequelle
Geprüft würde auch, ob sich in den Kläranlagen das zu reinigende Abwasser mittels Einsatz einer Klärschlammfaulung als Energiequelle nutzen lässt. Bisher sei das nur in größeren Kläranlagen möglich gewesen, erklärt Kraft. Zudem werde aktuell eine Verbesserung der Pumpeneffizienz im Hebewerk Steinbach/Bahnhof angestrebt. Das ist die Anlage, die das Abwasser von Steinbach-Bahnhof zur Kläranlage in Steinbach/Ort pumpt.
Sowohl Kraft als auch Bürgermeister Thomas Löffler betonen, dass es sich derzeit nur um Überlegungen handle, wie man die Abwasserentsorgung unter Berücksichtigung der immer schärfer werdenden Vorschriften am besten tätigen kann. „Es ist alles offen!“, so der Bürgermeister. Es lägen keinerlei Kostenberechnungen vor. Kraft ergänzt: Sein Büro könne nur Alternativen vorschlagen und Kosten berechnen. „Letztendlich entscheidet der Gemeinderat über das weitere Vorgehen!“
Für den Bürgermeister steht angesichts der Anerkennung als Härtefall fest: „Wir müssen handeln, sonst geht es uns eines Tages wie dem Wasserzweckverband Frankenwaldgruppe!“ Wie bereits berichtet, haben die Verantwortlichen der FWG in den 90-er Jahren notwendige Investitionen in die Wasserleitungen unterlassen, obwohl es damals 80 Prozent an Zuschüssen gab.
Löffler dankt der Bayerischen Staatsregierung, dass seine Gemeinde als Härtefall anerkannt wurde. Bisher gilt die Stufe I und das bedeute, dass ein Zuschuss in Höhe von 50 Prozent garantiert ist. Laut Aussage des Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner hat Steinbach durchaus die Chance, in die Stufe II der Härtefallregelungen zu kommen. Das würde 90 Prozent an Förderungen bedeuten. Löffler weist zudem darauf hin, dass die Maßnahmen bis zum Jahre 2022 durchgeführt werden müssen, „sonst sind die Fördergelder weg!“

„Panikmache wäre falsch“
Und was den Anlieger und seine Befürchtungen in Hirschfeld betrifft? Matthias Kraft ist zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden wird. Er spricht davon, dass durch den Einsatz von neuen Techniken die Geruchsbelästigungen minimiert werden. Und der Bürgermeister betont: „An eine zentrale Klärschlammaufbereitung in der Aumühle ist nicht gedacht!“. Er verspricht, dass alle Anregungen sachlich und fundiert aufbereitet und diskutiert werden. Und er meint: „Unbegründete Panikmache ist der falsche Ratgeber!“

aus "Fränkischer Tag" vom 09.08.2019

Kategorien: Aktuelles