Neuer Mittelpunkt für Kehlbach

Meldung vom 12.11.2019

Neuer Mittelpunkt für Kehlbach
Wo einst Schüler das ABC paukten, steht nun ein neues Dorfhaus. Möglich wurde die Investition dank großzügiger Fördermittel.

Heike Schülein

Kehlbach - Schön ist es geworden: Das neue Dorfhaus Kehlbach, das eine Anlaufstelle für alle Bürger, Vereine, insbesondere auch für die Jugendlichen sein soll. Die Freude und der Stolz über den neuen Ortsmittelpunkt stand Bürgermeister Thomas Löffler (CSU) bei der Einweihung ebenso ins Gesicht geschrieben wie allen weiteren Beteiligten.

"Ein besonderer Tag für Kehlbach, für die Gemeinde Steinbach/Wald, den Landkreis Kronach und die ganze Region", würdigte Löffler die geschaffenen modernen Räumlichkeiten. Detailliert ging er auf das Gebäude ein, die 1964 eingeweihte, alte Schule in Kehlbach für damals 70 Schulkinder. Am 27. Juli 1963 erfolgte die Grundstein-Weihe und die Richtfeier am Schulhausneubau in Kehlbach. Der Bürgermeister öffnete die Büchse, worin sich die alte Bauurkunde sowie Geldmünzen befanden. Er und der Architekt bestückten sie mit den aktuellen Bauplänen - ganz auf Höhe des 21. Jahrhunderts auf einem USB-Stick, einer aktuellen Tageszeitung, Geldmünzen und der Eröffnungsrede, verlöteten sie und mauerten sie mit dem Grundstein von damals wieder ein.
Einst zählte das höchstgelegene Dorf im Landkreis 452 Einwohner, aktuell sind es 317. Bis zum Jahr 2001/2002 wurden die Schüler im Schulhaus unterrichtet. 2002 fand erstmalig eine Veranstaltung in der Kulturhalle statt. Das Gebäude wurde nach Beendigung des Schulbetriebes vor allem durch den Musik- und Gesangsverein sowie die Dorfjugend genutzt; das Lehrerzimmer bis 2015 als Amtszimmer der Gemeinde. Die Idee der Renovierung der Kulturhalle entstand 2010 und erfolgte nach kurzer Zeit.
"Neue Möglichkeiten taten sich mit der Förderoffensive Nordostbayern auf", freute sich der Bürgermeister. Zusammen mit Vereinsvertretern und Architekt Elmar Ruß wurde ein Konzept erarbeitet. In der Gemeinderatssitzung am 5. Dezember 2017 wurden der Abbruch und die Errichtung eines Neubaus als Jugend- und Gemeinschaftshaus beschlossen. Am 8. November 2018 wurde Richtfest gefeiert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro, wovon bis zu 90 Prozent über die Förderoffensive Nordostbayern finanziert werden. Hierfür dankte der Bürgermeister der Bayerischen Staatsregierung beziehungsweise dem Amt für ländliche Entwicklung (ALE).
Pfarrerin Kristine Wachter und Pfarrer Thomas Hauth erbaten den Segen Gottes für die neuen Räumlichkeiten. Die symbolische Schlüsselübergabe erfolgte durch Architekt Elmar Ruß an den Bürgermeister. Ruß verlas Baustellenberichte aus dem Bautagebuch. Als Einweihungs-Geschenk überreichte er ein handgeschmiedetes Kreuz.
"Das Gebäude ist das eine. Entscheidend aber ist, dass die Dorfgemeinschaft das Gebäude über die Jahre nutzt und mit Leben erfüllt", betonte Anton Hepple, Leiter der ALE Oberfranken. Das Dorfhaus sei ein Musterbeispiel dafür, was mit der Förderoffensive bezweckt werde. Unter den insgesamt vier im Förderprogramm berücksichtigten Landkreisen Kulmbach, Hof, Wunsiedel und Kronach sei, so der leitende Baudirektor, Kronach der Spitzenreiter bei der Nutzung der Förderoffensive. Von den bislang 31 im Landkreis Kronach bewilligten Projekten entfielen sechs auf die Gemeinde Steinbach. Für das Dorfhaus wurden bereits 450 000 Euro ausbezahlt, weitere 123 000 Euro seien vorgeprüft.
Von "einem historischen Tag in einer historischen Woche" sprach Landrat Klaus Löffler. Kehlbach habe mit einer solch engagierten und mutigen Dorfgemeinschaft allen Grund, selbstbewusst in die Zukunft zu schauen. "Heimat zu gestalten, ist etwas ganz Wichtiges", stellte er heraus. Hierbei komme es auf jeden Einzelnen an. Symbolisch für die Dorfgemeinschaft überreichte er das Landkreis-Wappen an Werner Vetter. "Mit jedem Bauwerk wächst unser Selbstbewusstsein", bekundete Steinbachs 2. Bürgermeisterin Monika Barnickel in ihren Dank- und Schlussworten. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom "Routenkirchner Viergesang" und Alfons Fehn am Akkordeon.

Das Dorfhaus

  • Das neue Dorfhaus bietet einen großen Gemeinschaftsraum für Proben und Veranstaltungen sowie ein Jugendzimmer für die Dorfjugend und Zechgemeinschaft. Zudem gibt es ein Vereinszimmer für Besprechungen.
  • Moderne Sanitäranlagen wurden geschaffen. Küche, Ausschankbereich und Stuhllager befinden sich zwischen den Gebäudeteilen. In Untergeschoss ist der Heizungsraum mit einer Pelletsheizung, die auch die Kulturhalle beheizt. Auch auf Barrierefreiheit wurde geachtet. Im Obergeschoss wurden Lagerräume und ein kleiner Gemeinderaum geschaffen.
  • Im Außenbereich gibt es Parkplätze, einer Lieferzufahrt, Außenterrasse sowie eine gepflasterte Tanzfläche. Der vor wenigen Jahren neu angelegte Kinderspielplatz rundet die Außenanlagen ab. Im Frühjahr 2020 sollen weitere Bepflanzungen hinzukommen.

aus "Neue Presse" vom 11.11.2019


Dorfgemeinschaft wird gestärkt
Wo einst Schüler das ABC paukten, steht nun ein neues Dorfhaus. Möglich wurde die Investition dank großzügiger Fördermittel.

Von VERONIKA SCHADECK

Kehlbach — „Es ist ein Genuss“, freute sich Liane Vetter. Für sie steht außer Zweifel, dass dieses Gebäude die Dorfgemeinschaft noch enger zusammenführen wird. Mit Begeisterung erwähnte sie, dass einen Tag vor dem großen Fest 25 Kehlbacher zusammenkamen, um das Haus zu reinigen und um die Räumlichkeiten für den großen Tag herzurichten.
Bei der Einweihung gab es auch etwas Außergewöhnliches. Denn beim Abriss der alten Schule kam eine Urne von der Grundsteinlegung aus den 60er Jahren mit einer Urkunde und einigen Geldmünzen zum Vorschein. Diese wurde am Festtag nun mit den Bauplänen, der aktuellen Tageszeitung und der Eröffnungsrede weiter befüllt, verlötet und mit dem Grundstein von damals wieder eingemauert. Etwas Besonderes sind auch die Bleiglasfenster, die einst den Eingangsbereich der Schule künstlerisch schmückten. Auf einem davon werden die Glasindustrie und Glasbläser dargestellt.
Bürgermeister Thomas Löffler (CSU) bezeichnete das Dorfhaus als ein Gebäude, das die Kehlbacher zusammenführen und den Jugendlichen Zuversicht geben soll.
Geschaffen wurde ein großer Gemeinschaftsraum für die Vereine, ein Besprechungszimmer, ein Jugendzimmer für die jungen Menschen und die aktive Kehlbacher Zechgemeinschaft. „Es ist uns wichtig, unseren Jugendlichen mit modernen Räumlichkeiten zu vermitteln, dass sie uns wichtig sind“, so Löffler. Die modernen Sanitäranlagen, der Ausschank sowie eine behindertengerechte Toilette können zugleich für Veranstaltungen in der angegliederten Kulturhalle genutzt werden.
Wie der Bürgermeister weiter erklärte, soll im nächsten Jahr der Außenbereich mit Parkplätzen und einer gepflasterten Tanzfläche, welche die neu gepflanzte Tanzlinde umgibt, fertiggestellt werden.
1,2 Millionen Euro
Die Gesamtkosten des Dorfhauses belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Gefördert wurde das Projekt mit bis zu 90 Prozent über die Förderoffensive Nordostbayern. Zwar lag der ursprüngliche Kostenansatz bei 900 000 Euro, doch sei dieser, so der Bürgermeister, trotz sorgfältigster Mittelverwendung aufgrund der Bauhochkonjunktur nicht zu halten gewesen. Aufgrund der Förderungen äußerte er sich dankbar gegenüber der Bayerischen Staatsregierung.
„Es ist ein historischer Tag“, so Landrat Klaus Löffler (CSU). Er forderte die Kehlbacher auf, selbstbewusst in die Zukunft zu blicken. Und er war stolz auf die Kehlbacher, denn abgesehen von deren Zusammenhalt gehöre der Kehlbacher Fasching mittlerweile zu den ganz großen Veranstaltungen im Landkreis.
„Ein Riesenkompliment an die Kehlbacher Dorfgemeinschaft“, so der Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung, Anton Hepple. Er wies darauf hin, dass aus seinem Amt 450 000 Euro an Förderungen ausbezahlt wurden. „Wir machen damit vernünftiges Zeug, das soll auch der Landtag wissen.“ Die Förderinitiative, so erklärte er, habe noch bis in die Jahre 2021/2022 Bestand. Das Amt werde noch viel Geld benötigen, um den Anträgen und Wünschen nachkommen zu können. Und was das Kehlbacher Projekt betrifft: „Es ist uns wichtig, dass ihr eine gute Gemeinschaft pflegt und das Dorfhaus mit Leben erfüllt.“
Architekt Elmar Ruß erinnerte anhand seines Bautagebuches an die Bauphase. Sein und auch der Dank des Bürgermeisters galten den am Bau beteiligten Firmen. Die kirchliche Weihe nahmen Christiane Wachter und ihr katholischer Kollege Thomas Hauth vor. Für die musikalische Umrahmung sorgte der „Routenkirchner Viergesang!“

aus "Fränkischer Tag" vom 12.11.2019

Kategorien: Aktuelles