BÜRGERVERSAMMLUNG in Steinbach am Wald

Meldung vom 18.11.2019

BÜRGERVERSAMMLUNG in Steinbach am Wald

VON VERONIKA SCHADECK

„Jungen Leuten Lust auf die Zukunft machen“
Steinbach am Wald — Das Jahr 2019 war eines der bauintensivsten Jahre in der Geschichte der Gemeinde. Das wurde am Donnerstagabend bei der Bürgerversammlung im Dorfhaus Kehlbach deutlich.
Bürgermeister Thomas Löffler sprach von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg. Er forderte die Bürger auf, nicht nur Probleme, sondern auch die Chancen zu sehen. „Wir wollen den jungen Leuten Lust auf Zukunft machen!“
In seinem Rechenschaftsbericht ging er auf Projekte wie das Freizeit- und Tourismuszentrum, das Dorfhaus Kehlbach etc. ein. Er wies auf die alte Schule in Hirschfeld hin, in der demnächst eine Tagespflege und zwei Wohnungen eingerichtet werden. Bei der Infrastruktur sprach Löffler unter anderem die Gemeindegasse in Steinbach an, wo im Zuge des Ausbaus auch ein Gehweg errichtet wird. Beim Ausbau der Hasengasse in Windheim werden derzeit die Wasserleitungen neu verlegt. Dass der Landkreis einen Radweg vom Ölschnitzsee zum Rennsteig baut, wertete der Bürgermeister als eine Aufwertung.
Überlegt wird den Angaben zufolge derzeit auch, wie man die Anwohner der Rennsteigstraße entlasten kann. So wird eine Zufahrt zwischen Steinbach-Ort und -Bahn, unterhalb der Schule zur Kreisstraße 13 (zwischen Haßlach und Steinbach), geprüft.
Für den Breitbandausbau wird die Gemeinde Löffler zufolge 813 000 Euro investieren, 650 000 Euro davon erhält sie als Förderung. Einen besseren Empfang beim Mobilfunk für Buchbach und Kehlbach verspricht sich der Bürgermeister dann, wenn Mitte 2020 ein Funkmast auf der Langenhöher zwischen Buchbach und Langenau errichtet werden soll.
Lange ohne Neuverschuldung
In der Gemeinde werde auf die „Nachhaltigkeit“ Wert gelegt. Löffler erwähnte den jährlichen Waldwirtschaftsplan, der durch Revierleiter Martin Körlin erstellt wird. Er sprach von Pflanzungen im Gemeindewald und im Schutzwald zwischen Brunnenstraße und dem Lärmschutzwall von Wiegand-Glas an. Über 2000 neue Pflanzen werden demnach gesetzt. Zudem solle im Jahre 2020 ein Energienutzungskonzept durch ein Planungsbüro erstellt werden.
Der Bürgermeister ging auch auf die Finanzen ein. Demnach beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung 365 Euro. Im Jahre 2001 waren es noch 1784 Euro. Die Höhe des Einkommensteueranteils in 2019 bezifferte er auf 1,7 Millionen Euro.
Wie Landrat Klaus Löffler deutlich machte, setze sich die Gemeinde für Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie soziale Ausgewogenheit ein. 18 Jahre habe man es geschafft, ohne Neuverschuldung zu wirtschaften und trotzdem Millionen Euro von Investitionen getätigt. Die Steuerkraft sei mit 1300 Euro pro Einwohner die zweitgrößte im Landkreis. Oberfrankenweit liege die Gemeinde auf Platz acht.
Werner Vetter bedankte sich im Namen der Dorfgemeinschaft für das Dorfhaus in Kehlbach. Er äußerte den Wunsch, die Kreisstraße von Kehlbach bis zur Einmündung nach Langenau auszubauen. Diese sei nur 5,10 Meter breit und eine Gefahrenstelle. Zudem wäre ein Radweg von Buchbach zum Rennsteig wünschenswert.

Was wird aus den Kigas?
In Steinbach am Wald reichen die Plätze in den Einrichtungen nicht mehr aus. Das Thema erhitzte die Gemüter.
In der Gemeinde wird Familienfreundlichkeit großgeschrieben. Dort gibt es seit Jahren Randzeitenbetreuung, Begrüßungsgeld für Babys, das Betreuungsnetzwerk Lebensqualität für Generation (LQG) wurde im Jahre 2012 vom damaligen Bürgermeister Klaus Löffler und seinem Gremium initiiert.
Doch nun reichen – wie in vielen Gemeinden – die Kindergarten- und Krippenplätze nicht mehr aus. Das kommt auch daher, weil in letzten Jahren der Nachfrage nach Krippenplätzen stärker als kalkuliert zugenommen hat. Die Gemeinde beziehungsweise die Kirche als Träger der Kindergärten Steinbach, Windheim und Buchbach müssen in ihre Einrichtungen investieren. Es ist dabei von einer Summe in Höhe über drei Millionen Euro die Rede.
Nur mit Sondergenehmigung
Bei der Bürgerversammlung in Kehlbach wurde nun die Befürchtung geäußert, dass es hin zu einer Zentralisierung der Kinderbetreuungseinrichtungen in Richtung Steinbach gehe. „Ich finde es schade, dass immer an den Kindern gespart wird“, so Sandra Fröba. Der Gedanke, Kinder in andere Gebäude unterzubringen oder eine vorübergehende Containerlösung anzustreben, bezeichnete Dieter Fröba als ein Unding. Somit könne man in der Zukunft Eltern vergraulen. Sechs Millionen Euro für ein Freizeit- und Tourismuszentrum und keine drei Millionen Euro für Kindergärten, so etwas könne er nicht nachvollziehen, meinte Matthias Bayer.
Für Bürgermeister Thomas Löffler und sein Gremium keine leichte Situation. Löffler wies darauf hin, dass alle drei Kindergärten von den örtlichen Kirchenverwaltungen betrieben werden. Auch die Gebäude befinden sich in deren Besitz. Zurzeit gebe es für allen drei Einrichtungen Sondergenehmigungen der Kindergartenaufsicht des Jugendamts. Diese können jedoch ohne bauliche Maßnahmen nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.
Löffler zufolge habe man vom Erzbistum erfahren, dass sich die Kirche von den Kindergartengebäuden trennen möchte und diese nach Möglichkeit in den Besitz der Gemeinde überführen möchte. Zudem sei die Kirche nicht mehr wie in der Vergangenheit bereit, bauliche Erweiterungen anteilig mitzufinanzieren.
Da die Grundstücke, auf denen sich die Kindergartengebäude befinden, aus stiftungsrechtlichen Gründen bei der Kirche verbleiben müssen, soll ein Erbbaurecht für die Gemeinde eingetragen werden. Löffler sprach von Investitionskosten für Steinbach in Höhe von 1,8 Millionen Euro, für Buchbach und Windheim von jeweils 750 000 Euro. Die Finanzierung bezeichnete der Bürgermeister als komplex, da sowohl die Mittel des Erzbistums als auch die Zuschüsse der Regierung von Oberfranken nicht beziffert werden können.
105 Kinder werden betreut
Wie seinen Worten zu entnehmen war, besuchen zurzeit 105 Regelkinder (drei bis sechs Jahre), davon 14 von außerhalb der Gemeinde, die Einrichtungen. Weiterhin sind 32 Krippenkinder vorhanden.
Die Kindergartenaufsicht im Landratsamt habe zunächst eine Generalsanierung und Erweiterung des Kindergartens Steinbach gefordert, so der Bürgermeister. Derzeit würden die Vorplanungen erstellt, Anfang Dezember sollen diese dann mit der Kirchenverwaltung, dem Erzbistum und der Regierung abgestimmt werden. Das Gebäude in Steinbach stehe vor allem aufgrund der Brandschutz-Thematik in vorderster Dringlichkeit.
Parallel zur sofortigen räumlichen Entspannung in Buchbach werde zurzeit die verstärkte Nutzung des Mehrgenerationenhauses geprüft. Im Jahr 2021 soll die Bedarfsplanung erneuert und in Folge konkrete Maßnahmen für Buchbach und Windheim erarbeitet werden. Er betonte: „Es ist mir ein Anliegen, nicht zuletzt wegen kurzer Wege, alle drei Kindergärten zu erhalten.“
Sandro Selig von der Bau- und Liegenschaftsabteilung beim Erzbistum in Bamberg erklärte, dass dieses nach wie vor Zuschüsse gebe. Voraussetzung sei, dass zuvor alle möglichen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft werden. Was die Kindergärten in Steinbach betreffe, sei alles noch offen. Durchaus könne es sein, dass die Kirche bei einem oder zwei Gebäuden Eigentümer bleibe, auch eine Zentralisierung könne ins Auge gefasst werden.

aus "Fränkischer Tag" vom 16.11.2019

Kategorien: Aktuelles