Großer Bahnhof für neuen Priester

02.07.2018

Göttlicher Ausnahmezustand

Nein, es war nicht der Papst, der am Wochenende nach Hirschfeld pilgerte. Tobias Fehn, ein Sohn des Ortes, kam nach seiner Priesterweihe zur Primiz in seinen Heimatort. Der Empfang war riesig, das ganze Dorf war auf den Beinen.

Der Neupriester feierte seine erste Heilige Messe im Heimatort.

VON VERONIKA SCHADECK

Hirschfeld — Nicht nur Tobias Fehn war von seiner Primiz überwältigt. Das gesamte Dorf war am Wochenende auf den Beinen und aus dem Häuschen. Die Atmosphäre im Bamberger Dom und in der Marienkirche, der Chorgesang, das geschmückte Dorf, die vielen Vereine und Abordnungen, die zahlreichen geistlichen Weggefährten, all das war beeindruckend und wird den Hirschfeldern lange in Erinnerung bleiben.
Tobias Fehn
(Foto: Veronika Schadeck)

„Es ist ein Tag der Freude“, brachte es Abt Maximilian Heim aus der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz bei seiner Predigt auf den Punkt. Der gebürtige Kronacher ging kurz auf den Lebensweg des Neupriesters, auf sein Elternhaus sowie seine Jugend- und Studienzeit ein, die ihn nach Eichstätt, Bamberg, Würzburg, Rom, Heiligenkreuz und wieder zurück nach Bamberg führten. „Dabei warst du immer ein Suchender!“

Tobias Fehn sei durch die Priesterweihe zum Verkünder Gottes geworden, der den Dienst der Versöhnung glaubhaft vollziehen will, predigte er. Der Abt sprach davon, dass der Glaube Wunden heilen und Kraft geben kann. Er riet auch den Primizianten und den Eltern, ihren Kindern öfter ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. „Denn das Kreuz ist ein Zeichen der Liebe.“

Abholung vom Elternhaus

Vor dem Gottesdienst wurde Tobias Fehn mit Fahnen, Abordnungen und Blasmusik von seinem Elternhaus abgeholt. Die Eltern, Geschwister und Verwandten sowie auch manche Zuschauer konnten dabei eine gewisse Rührung nicht verbergen.

Emotionen waren auch aus der Stimme des Heimatpfarrers Cyriac Chittukalam zu hören, als er davon sprach, dass zum ersten Mal in der Geschichte von Hirschfeld ein Kind des Dorfes Priester geworden ist.

„Wir sind so stolz auf dich“, sagte der Pfarrer. Er bezeichnete Fehn als einen, der bodenständig ist und ein offenes Herz hat. „Bleib so wie du bist, behalte auch deinen Witz.“

Auch Thomas Löffler, Bürgermeister der Gemeinde Steinbach am Wald, freute sich. Durch Fehns Entscheidung, Priester zu werden, könne dieses Fest gefeiert werden. Die große Anteilnahme dokumentiere, wie tief verwurzelt er in seinem Heimatdorf sei. Sein Dank galt den Eltern Günther und Carmen Fehn.

Landrat Klaus Löffler bezeichnete den Neupriester als einen, der Brücken bauen möchte und zeigen wolle, dass Kirche und Staat zusammengehören. Das sei in der heutigen Zeit sehr wichtig. Stolz zeigte sich Löffler auf die Hirschfelder. „Was ist das für ein Fest!“

Im Namen der Hirschfelder Vereine überbrachte Markus Grünbeck die Glückwünsche. „Du bist immer einer von uns gewesen und wirst es auch bleiben. Wir werden dich auf deinem weiteren Lebensweg begleiten.“

In Bamberg zum Priester geweiht

Bereits am Samstag waren die Hirschfelder Vereine mit ihren Fahnenabordnungen im Bamberger Dom mit dabei, als Fehn von Erzbischof Ludwig Schick zum Priester geweiht wurde.

Am Abend erwarteten die Hirschfelder zusammen mit zahlreichen Geistlichen ihren Neupriester am Ortseingang und begleiteten ihn auf den letzten Metern mit einer Motorradeskorte. Im Namen der Bürger hieß die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Loretta Herrmann den Hirschfelder in seinem Heimatdorf willkommen.

Ein anwesender Pfarrer sagte treffend: „So wird nicht einmal unser Erzbischof empfangen“.

aus "Fränkischer Tag" vom 02.07.2018

Großer Bahnhof für neuen Priester

Hirschfeld empfängt Tobias Fehn wie einen Bundespräsidenten. Der junge Mann freut sich nach seiner Weihe riesig über den Rückhalt in seiner Heimat.

Peter Fiedler

Die Hirschfelder begrüßen "ihren" Tobias Fehn mit einer Kirchenparade, Andacht und Lichterprozession. Der Neu-Priester ist von dem Empfang völlig überwältigt.


Hirschfeld - Endlich ist er da. Gegen 19.15 Uhr nähert sich am Samstag der Wagen mit Bamberger Kennzeichen und einer fünfköpfigen Motorradeskorte dem Ortseingang von Hirschfeld, wo sich eine stattliche Zahl von Einheimischen und Gästen versammelt hat. Die Hirschfelder Vereine sind da, die Kirchengremien, der Gemeinderat und Vertreter der Hochschule in Heiligenkreuz.

Die Priesterweihe

Erzbischof Ludwig Schick hat am Samstag die beiden Diakone Tobias Fehn und Christian Müllner im Bamberger Dom zu Priestern geweiht. "Ein Priester nach dem Bild Christi ist ein freudiger Mensch, sonst nimmt man ihm die frohe Botschaft nicht ab", so der Erzbischof. Die Freude des Priesters komme aus der Freundschaft mit Jesus Christus. Die Verkündigung des Glaubens solle Nahrung für das Leben geben und dürfe deshalb nicht "Dreschen von trockenem Stroh sein, nicht ein Sammelsurium von dogmatischen Phrasen, nicht sauertöpfisches Gejammer", betont der Erzbischof. "In der Verkündigung sollen der Sinn des Lebens und Lebensfreude vermittelt, Versöhnung und Frieden gestiftet, Gemeinschaft mit Gott und untereinander ermöglicht werden."

Priester bräuchten zudem ein "demütiges Selbstbewusstsein", weil Gott sie zu ihrem Dienst berufen habe, fügte Erzbischof Schick hinzu. Dies habe nichts mit Stolz zu tun, sondern mit Sendungsbewusstsein, das der Priester brauche, um engagiert zu wirken: "Wer nicht von seiner Sendung überzeugt ist, kann nicht überzeugen." Des Weiteren rief der Erzbischof die Neu-Priester und alle Geistlichen zum "Mitsein" auf. So sollen die Priester mit den Menschen sein und sie zum Aufbau der Kirche gewinnen. Sie sollen auch gut mit den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Die Kirche und ihr Dienst an den Menschen sei Gemeinschaftsaufgabe.

"Fast wie beim Bundespräsidenten", beschreibt einer der Anwesenden den Eindruck, der sich bei dem Anblick aufdrängen könnte. Doch es ist nicht Frank-Walter Steinmeyer, der aussteigt, sondern Tobias Fehn, der Neu-Priester, der seine Primiz in Hirschfeld feiern möchte. Eigentlich sollte der Primiziant schon um 19 Uhr da sein. 2. Bürgermeister Markus Löffler stand in ständigem Kontakt mit Dominik Fehn, dem Bruder von Tobias, der den Wagen fuhr. Doch die Ankunft verzögert sich etwas. So spielt schon mal die Reichenbacher Blasmusik auf, um das Warten zu verkürzen.

Tobias Fehn kann es nicht fassen, welchen Bahnhof man ihm in seinem Heimatort bereitet. Als er aussteigt, schlägt er immer wieder die Hände vor dem Gesicht zusammen und läuft auf die Wartenden zu. Die applaudieren, während die Musik erneut aufspielt. Zunächst begrüßt ihn Loretta Herrmann, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, dann gibt es Blumen von den drei Kommunionkindern Anna Lena, Christiane und Alina. "Das ist ein ganz Netter", sagen die drei Mädchen über den Neu-Priester, der schließlich auch von Bürgermeister Thomas Löffler und Landrat Klaus Löffler begrüßt und von seinen Eltern Carmen und Günter Fehn in die Arme genommen wird.

"Es ist in der heutigen Zeit mehr als außergewöhnlich, wenn ein junger Mann den Priesterberuf wählt und sich dadurch mit Leib und Seele unserem Herrgott und damit auch den Menschen voll und ganz zur Verfügung stellt. Wir wissen alle, dass dieser Beruf und die damit verbundene Berufung eine große Herausforderung darstellt", sagt Loretta Herrmann. Sie ist sich sicher, dass er seinen Weg gehen wird. "Mögest Du deinen Humor im Umgang mit den Menschen nie verlieren", wünscht sie ihm. Sie freut sich, dass man nun in Hirschfeld seine erste heilige Eucharistiefeier als Priester gemeinsam feiern dürfe. "Du wirst immer einer von uns, ein echter Hirschfelder, bleiben und uns immer willkommen sein", versichert sie ihm.

"Ich bin ganz sprachlos", antwortet Tobias Fehn. "So wird ja nicht mal der Erzbischof in seiner Diözese empfangen. Jetzt bin ich endlich wieder in meinem Hirschfeld und freue mich, dass ich diese ersten Tage als Neu-Priester hier verbringen darf. Ich weiß, dass mir viele den Rücken stärken, dass sie hinter mir stehen und mich im Gebet begleiten."

Dann macht sich die Kirchenparade auf zur Kirche, wo eine Andacht stattfindet und danach geht es zur Lichterprozession, auf die sich Tobias Fehn besonders gefreut hat.

Fehn wurde 1988 geboren und ist in Hirschfeld aufgewachsen. Er studierte in Eichstätt zunächst Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit. Theologie studierte er in Würzburg, Rom und Heiligenkreuz. Er war zuletzt im pastoralen Dienst im Seelsorgebereich "Pfarreiengemeinschaft Katholische Innenstadtkirche" in Nürnberg eingesetzt.

aus "Neue Presse" vom 02.07.2018

Kategorien: Aktuelles